Die globale Gesundheit und der Kampf gegen Malaria erfordern laut Sascha van Beek eine größere Führungsrolle Deutschlands, was die wachsende Verantwortung der Länder widerspiegelt.
Anmerkung des Herausgebers: Während der Nominierungsprozess für den Exekutivdirektor des Global Fund hinter verschlossenen Türen voranschreitet, haben Berichte von Health Policy Watch und The Lancet einige der Namen enthüllt, die Berichten zufolge auf der engeren Auswahlliste stehen, darunter hochkarätige Kandidaten aus den Vereinigten Staaten und Botswana. In der Zwischenzeit musste Berichten zufolge ein deutscher Teilnehmer pausieren. In diesem Artikel erklärt Sascha van Beek, ein führender globaler Gesundheitsakteur im deutschen Bundestag und ausgebildeter Krankenpfleger, warum auch Deutschland, ein wichtiger globaler Gesundheitsgeber und Heimat erstklassiger wissenschaftlicher Forschung, einen Platz am Tisch braucht.
Sascha van Beek
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Deutschland ist seit Jahrzehnten ein stiller Riese im globalen Gesundheitswesen: Es bietet hinter den Kulissen finanzielle und fachliche Unterstützung und lässt andere das Steuer übernehmen. Angesichts der sich verändernden globalen Realitäten muss sich diese Rolle weiterentwickeln.
Der aktuelle Bericht von Health Policy Watch über den laufenden Auswahlprozess für den nächsten Exekutivdirektor des Global Fund zeigt jedoch, dass Deutschland bei der Sicherung von Führungspositionen im globalen Gesundheitswesen immer wieder hinter seinem Potenzial zurückbleibt.
Deutschlands übervorsichtige Strategie
Das liegt nicht an mangelnder Erfahrung oder Glaubwürdigkeit. Deutschland genießt international einen hervorragenden Ruf, beherbergt erstklassige wissenschaftliche Einrichtungen und ist seit Jahrzehnten ein verlässlicher Partner in der globalen Gesundheit. Umso schwieriger ist es zu verstehen, warum wir dieses Potenzial in der internationalen Führung weiterhin ungenutzt lassen.
Dabei handelt es sich nicht um einen Einzelfall, sondern um das Ergebnis einer über viele Jahre hinweg übervorsichtigen Personalstrategie. Deutschland hat nur sehr selten Kandidaten für hochrangige globale Positionen strategisch vorbereitet, hat sehr wenig getan, um sein internationales Profil zu schärfen, und hat es oft versäumt, seine Ambitionen zu artikulieren. Wenn wir internationale Politik mitgestalten wollen, müssen wir auch bereit sein, Führungsaufgaben innerhalb dieser Organisationen zu übernehmen.
Die Bundesregierung hat nun die Möglichkeit, ihren Kurs zu ändern. Deutschland braucht einen viel aktiveren, souveräneren und strategischeren Umgang mit internationalen Besetzungen. Starke deutsche Kandidaten müssen frühzeitig identifiziert, regierungsweit unterstützt und international gefördert werden. Nicht wegen des nationalen Prestiges, sondern weil internationale Organisationen von der deutschen Kompetenz, Zuverlässigkeit und Erfahrung profitieren können.
In Deutschland gibt es bereits international anerkannte Institutionen wie das Robert Koch-Institut, die Charité, die Medizinische Fakultät und das Klinikum der Universität Berlin sowie das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Seine Erfahrung war viele Jahre lang maßgeblich an Initiativen beteiligt, die von der Ausrottung der Kinderlähmung bis hin zur Vorbereitung auf Epidemien und der Reaktion auf Ausbrüche reichten.
Fordern Sie Transparenz in der globalen Gesundheit
Der Global Health Campus, Hauptsitz des Global Fund und andere. Kritiker fordern mehr Transparenz und Rechenschaftspflicht statt undurchsichtiger Führungswahlen.
Gleichzeitig wirft die aktuelle Debatte grundlegende Fragen zur Governance des Globalen Fonds selbst auf. Vorwürfe über Verfahrensunregelmäßigkeiten und mangelnde Transparenz im Auswahlverfahren müssen umfassend geklärt werden. Die Ernennung des CEO einer der weltweit führenden globalen Gesundheitsinstitutionen kann nicht durch einen Prozess erfolgen, der wichtige Interessengruppen mit unbeantworteten Fragen zurücklässt. Der Global Fund ist für Millionen von Leben auf der ganzen Welt verantwortlich; Über seine Führung kann nicht hinter verschlossenen Türen entschieden werden.
Der Global Fund wurde bereits für sein Auswahlverfahren für Exekutivdirektoren kritisiert. Ähnliche Bedenken wurden 2017 geäußert, was dazu führte, dass der Prozess neu gestartet wurde. Diese Lehren hätten zu dauerhaften Reformen führen sollen. Diese Verfahrensfehler dürfen sich nicht wiederholen. Wenn sich die gemeldeten Bedenken hinsichtlich des aktuellen Prozesses bestätigen, sollte das Auswahlverfahren nach überarbeiteten Regeln wiederholt werden, die vollständige Transparenz, Fairness und Vertrauen zwischen allen interessierten Parteien gewährleisten.
Vertrauen muss verdient und nicht eingefordert werden
Führungsanspruch muss immer mit Verantwortung einhergehen. Wenn die Vereinigten Staaten wieder eine Führungsrolle in der globalen Gesundheit übernehmen wollen, wäre dies grundsätzlich zu begrüßen. Dies erfordert jedoch ein erneuertes und dauerhaftes Engagement für die globale Gesundheitsarchitektur. Wer sich aus der internationalen Verantwortung zurückgezogen und zur Unsicherheit beigetragen hat, sollte zunächst wieder Vertrauen aufbauen, bevor er sich um Führungspositionen bemüht.
Deutschland sollte aus dieser Debatte die richtigen Schlussfolgerungen ziehen. Unser Ziel muss es sein, die globale Gesundheit nicht nur durch unser Fachwissen und unsere finanziellen Beiträge zu unterstützen, sondern sie auch politisch und durch Führung mitzugestalten. Ein Land, das seit langem zu den größten Beitragszahlern gehört, sollte auch den Ehrgeiz haben, durch seine Bevölkerung die globale Gesundheitspolitik mitzugestalten.
Verantwortung für das Geld der Steuerzahler
Deutschland engagiert sich weiterhin entschieden für den Globalen Fonds. Es sollte kein Zweifel daran bestehen, dass wir diese einzigartige Partnerschaft weiterhin unterstützen.
Aber als Mitglied des Deutschen Bundestages, der diese öffentlichen Ausgaben entschieden verteidigt, stehe ich vor einer schwierigen Realität. Es wird fast unmöglich, die Überweisung von Steuergeldern in Milliardenhöhe an eine Organisation zu rechtfertigen, die nicht transparent erklären kann, wie ihre Führung ausgewählt wird.
In einer Zeit, in der viele Geberländer darüber diskutieren, ob sie Ressourcen über bilaterale Programme oder multilaterale Institutionen leiten sollen, sollte der Globale Fonds alles tun, um das Vertrauen in seine Governance zu stärken. Undurchsichtige Prozesse zur Auswahl von Führungskräften stärken den Multilateralismus nicht. Sie untergraben das Vertrauen, auf das es ankommt.
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EXKLUSIV: US-Kandidaten unter denen, die im umstrittenen Rennen um die Führung des Global Fund in die engere Auswahl kommen
Bildnachweis: WHO, Sascha van Beek/Niclas Brosthaus, Global Fund/Vincent Becker.